Wissen von A bis Z

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A

Achsenfehlstellung

Apophysitis calcanei


Übergewicht, sportliche Überlastung und schlechtes Schuhwerk fördern das Auftreten einer Apophysitis calcanei, einer aseptischen Osteochondrose der Calcaneusapophyse/Fersenbeinwachstumsfuge, die bei sportlich aktiven Kindern sehr häufig und zwischen dem 5.-12. Lebensjahr auftritt.
Differentialdiagnostisch sollte an einen Tumor oder eine Osteomyelitis des Calcaneus gedacht werden.
Die Behandlung erfolgt mittels Schonung und Weichbettung im Schuh oder mittels Unterschenkelgehgips für 4 Wochen bei persistierenden Schmerzen.

B

Beinlängendifferenz


Ein „Verkürzungs-Hinken“ kann erstes Symptom einer Beinlängendifferenz oder einseitigen Achsenfehlstellung, z.B. Genu varum-Fehlstellung sein.
Eine Beinlängendifferenz von einem Zentimeter und mehr, die meist Ursache für eine statische Skoliose bildet, bedarf eines Ausgleiches im Schuh, wobei die erforderliche Erhöhung vom Orthopädieschuhmacher auf Absatz und Sohle aufgeteilt wird.
Eine unilaterale Beinachsenfehlstellung kann Ursache oder Folge einer Beinlängendifferenz sein. Sie bedarf einer radiologischen Abklärung.
Bei Längendifferenzen von mehr als 2-3cm kann eine operative Korrektur, z.B. Verlängerung mittels Kallusdistraktion und externer Fixation beim Spezialisten indiziert sein.

Beinschmerzen


Schmerzen des Bewegungsapparates im Kindes- und Jugendalter, besonders wenn sie kurzdauernd, unilateral/einseitig, lokalisiert auftreten und mit Funktionsstörungen oder pathologischem BB oder CRP einhergehen, bedürfen immer einer exakten diagnostischen Abklärung. Chronische Entzündungen (z.B. Osteomyelitis), Bluterkrankungen (z.B. Leukämie), Tumoren (z. B. Ewin-Sarkom) müssen ausgeschlossen werden. „Over-use-Syndrome“ sind Überlastungen der Muskulatur nach intensiver sportlicher Betätigung. Bei sogenannten „Wachstumsschmerzen“ handelt es sich jedenfalls prinzipiell um eine Ausschlussdiagnose.

C

Cerebralparese


Der Symptomenkomplex der Cerebralparesen stellt mit einer Inzidenz von 1:500 eines der häufigsten kinderorthopädischen Krankheitsbilder dar. Der Begriff umfasst eine Gruppe von Erkrankungen unterschiedlicher Pathogenese, klinischer Ausprägung und Verlaufsform. Gemeinsam ist ihnen das Bild einer sensomotorischen Störung aufgrund einer frühkindlichen Schädigung des in Entwicklung befindlichen Gehirnes (prä/peri/postnatal bis zum Abschluß des Myelinisierungsprozesses etwa im 4. Lebensjahr); die Hirnschädigung bleibt stationär, der Residualschaden ist veränderlich.

Je nach Lokalisation der Schädigung entsteht das Bild einer Hemi-, Di-, Tetraparese oder einer Mischform. In der Regel ist der Motorkortex am stärksten betroffen und die zentrale Gangsteuerung wird teilweise oder ganz durch Steuerungsmechanismen ersetzt, die in tiefer gelegenen Abschnitten des ZNS lokalisiert werden. Prinzipiell können jedoch alle Hirnfunktionen betroffen sein und es können assoziierte Oberflächen- und Tiefensensibilitäts-, Seh-, Sprach-, Hör- und mentale Störungen vorliegen.Die Summe der Störungen führt vor allem im Reifungs- und Wachstumsalter je nach Schweregrad und Lähmungsqualität (hopoton, spastisch, dyston, ataktisch, Mischform) zu Abweichungen der physiologischen statomotorischen Entwicklung. Bei Persistieren unbalancierter Krafteinwirkungen auf die Gelenke entstehen sekundäre strukturelle Deformitäten. Haltungs- und Bewegungsstörungen, Kontrakturen, Schmerzen und innere Organschäden verursachen in der Folge eine beträchtliche Einschränkung der Lebensqualität und Lebenserwartung.

Eine kausale Therapie zentraler Bewegungsstörungen ist nicht möglich, aber eine langfristige Verbesserung der Lebensqualität bis ins Erwachsenenalter kann mittels verschiedener Therapieverfahren, die im Rahmen eines Gesamtbehandlungsprogrammes angewandt werden, bewirkt werden:Im Rahmen einer regelmäßigen neuroorthopädischen Betreuung werden für den Alltag orthopädische Hilfsmittel angepaßt und überprüft, die der Tonusregulierung, Schmerzfreiheit und dem Ausgleich funktioneller Defizite dienen sollen.Eine begleitende Bewegungstherapie auf neurophysiologischer Grundlage kann blockweise, in regelmäßigen Therapiestunden oder im Rahmen von Rehabilitationsaufenthalten durch die Hemmung pathologischer und die Anbahnung physiologischer Bewegungsmuster Funktionsverbesserungen für den Alltag erzielen und die Patienten motivieren ihren Bewegungsmangel teilweise auszugleichen.Physikalische Maßnahmen wie Massagen, Bäder, Mobilisationen und manuelle Therapien können über eine Reduktion des erhöhten Muskeltonus blockweise eingesetzt zu einer Verbesserung von Alltagsfunktionen beitragen.Die sonderpädagogische Betreuung mehrfachbehinderter Schüler ermöglicht die Integration pädagogischer und bewegungstherapeutischer Wege zur Förderung ihrer Gesamtentwicklung.Zusätzliche medikamentöse Behandlungsoptionen bei hochgradiger Spastizität sind die perorale oder intrathekale Gabe von Baclofen und die lokaleVerabreichung von intramuskulären Botulinumtoxin-Injektionen.Auch Operationen können nach äußerst sorgfältiger Indikationsstellung im Team eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bei Kindern mit cerebralen Bewegungsstörungen bewirken.

Charcot-Marie-Tooth


siehe Neuropathie

Coxitis fugax


Bei der Coxitis fugax („Hüftschnupfen“) handelt es sich um eine abakterielle entzündliche Reizarthritis des Hüftgelenkes bei meist 3 bis 8-jährigen Kindern.Klinische Zeichen sind:

a) Leisten- oder Knieschmerzen mit fehlender aktiver Hüftbeweglichkeit,manchmal können die Symptome sehr ausgeprägt sein und zur Gehunfähigkeit führen

b) keine Gewichtsübernahme am betroffenen Bein

c) eine eingeschränkte passive Hüftbeweglichkeit, insbesondere der Innenrotation

d) kein Fieber oder Zeichen eines schwereren Allgemeininfektes

e) das Kind fühlt sich wohl; es isst und spielt im Sitzen oder Liegen.Die Ätiologie der Coxitis fugax ist nicht geklärt, sie wird jedoch häufig in Zusammenhang mit Allgemeininfektionen, besonders viralen Infektionen der oberen Luftwege gebracht (sog. Infektrheumatoid).Die Diagnose erfolgt klinisch und wird bildgebend durch Sonographie abgesichert: Im Ultraschall ist ein Erguss nachweisbar, das Hüftröntgen ist unauffällig.

UNBEDINGT IST EINE SEPTISCHE COXITIS AUSZUSCHLIESSEN!

Eine spontane Heilung tritt meist ohne Behandlung innerhalb weniger Tage ein. Empfohlen wird die Schonung für etwa 5 bis 7 Tage, wobei die Hüfte in Spontanhaltung (Außenrotation, leichte Flexion) verbleiben soll, da dadurch der intraartikuläre Druck vermindert wird. Weiters empfohlen werden Antiphlogistika und eine Ultraschallkontrolle, um den Rückgang des Ergusses zu kontrollieren.
Bei hochgradigem Erguss und starken Schmerzen ist eine entlastende Punktion des Hüftgelenkes vorzunehmen, um eine intraartikuläre Druckerhöhung zu vermindern und  ischämischen Folgeschäden vorzubeugen.In seltenen Fällen kann die Coxitis fugax aber auch einen protrahierten Verlauf über mehrere Wochen zeigen. Differentialdiagnostisch muss in solchen Fällen ein Morbus Perthes und eine Monarthritis als Initialsymptom einer juvenil chronischen Arthritis (ICA) ausgeschlossen werden.

D

Duchenne Muskeldystrophie


Die Duchenne Muskeldystrophie (DMD) ist mit einer Häufigkeit von 1:4000 die häufigste fortschreitende Muskelerkrankung. Frühsymptome sind ein wenige Monate verzögerter Gehbeginn mit häufigem Zehengang. Die beginnende Schwäche der Beckenmuskulatur und pathologische Laborparameter führen in der Regel im 4. Lebensjahr zur Diagnose.Die Diagnose wird molekulargenetisch gesichert.Da eine kausale Therapie trotz bekannter Pathophysiologie noch nicht möglich ist, besteht das Therapieziel in einer symptomatischen Verbesserung der Lebensqualität. Medikamentöse Verfahren zur Verzögerung des Muskelabbaus sind derzeit noch nicht ausgereift. Die orthopädietechnische Versorgung mit Orthesen, Geh-, Steh- und Sitzhilfen und therapeutische Betreuung, insbesondere durch Dehnungs- und Atemtherapie, hat sich bei Patienten mit progressiver Muskeldystrophie Duchenne bewährt. Als sehr hilfreich hat sich erwiesen frühen Muskelverkürzungen, z. B. der Wadenmuskulatur, durch Nachtlagerungsschienen vorzubeugen. Präventive Weichteil-Operationen (RIDEAU) bei beginnenden Kontrakturen im 5.-8. Lebensjahr können in einzelnen Fällen, wenn ein gut dosierter Eingriff mit früher Mobilisierung das Risiko einer Verschlechterung minimiert, eine deutlich verbesserte Lebensqualität durch eine verlängerte Gehfähigkeit und geringere Fallneigung ermöglichen.

E

Einwärtsgang


In der Transversalebene werden Innen- und Außentorsionsstörungen differenziert.
Eine kontinuierliche Verminderung der physiologischen Antetorsion des Schenkelhalses und eine kontinuierliche Verminderung der physiologischen Innentorsion der Tibia führen im Laufe des Wachstums zu einer allmählich zunehmenden Außentorsion der Gesamtbeinachse.
Das sehr häufige Symptom des Einwärtsganges bedarf zunächst einer Differenzierung ob eine funktionelle, also neuro-muskulär bedingte, oder eine anatomische, knöchern bedingte Ursache vorliegt. In einem zweiten Schritt ist zu klären auf welcher Ebene eine Torsionsstörung der Beinachse besteht.
Auf Hüftgelenkebene führt eine vermehrte Antetorsion des Schenkelhalses (Femur-AT-Syndrom, Coxa antetorta) zu einem „knee-in“, einer Einwärtsdrehstellung der Patella beim Stehen und Gehen. Aufgrund der in nahezu 90% der Fälle eintretenden Spontankorrektur während des Wachstums stehen Beratung und Kontrolluntersuchungen im Vordergrund. In seltenen Fällen ist eine intertrochantäre Derotationsosteotomie des proximalen Femurs erforderlich.
Auf der Ebene des Unterschenkels führt eine exzessive Tibia-Innentorsion zu einem „toe-in“, einer Einwärtsdrehstellung des Fußes. Auch diese Torsionsfehlstellung ist meist im Laufe des Wachstums rückläufig, sodass nur bei wenigen Kindern eine supramalleoläre Derotierung der Tibia indiziert ist.
Auf der Ebene des Fußes führt auch eine Sichelfuß-(Metatarsus adductus-)-Fehlstellung zu einem Einwärtsgangbild (siehe dort).
Ein funktionelles Einwärtsgangbild kann besonders bei bis zu diesem Alter noch nicht erkannten, minimalen und leichten Formen cerebraler Bewegungsstörungen oder neuromuskulärer Erkrankungen einen ersten Hinweis für eine genaue entwicklungsneurologische Untersuchung des Kindes liefern.

F

Femurantetorsions-Syndrom


Auf Hüftgelenkebene führt eine vermehrte Antetorsion des Schenkelhalses (Femur-AT-Syndrom, Coxa antetorta) zu einem „knee-in“, einer Einwärtsdrehstellung der Patella beim Stehen und Gehen. Aufgrund der in nahezu 90% der Fälle eintretenden Spontankorrektur während des Wachstums stehen Beratung und Kontrolluntersuchungen im Vordergrund. In seltenen Fällen ist eine intertrochantäre Derotationsosteotomie des proximalen Femurs erforderlich.

Fußfehlhaltungen des Neugeborenen


Durch intrauterinen Platzmangel verursachte Fußfehlhaltungen sind nicht selten, diese sind postpartal innerhalb von Tagen bis Wochen reversibel. Typisch sind Knick-Hakenfuß- und Klumpfuß-Fehlhaltungen, deren Rückbildung durch massageartige Bewegungen langsam und durch kurzzeitige Gipsredressierung rasch beschleunigt werden kann. Davon zu unterscheiden sind kongenitale Fußfehlstellungen, die bereits postpartal palpatorisch und radiologisch diagnostiziert werden können.

G

Genua valga/Genua vara


In der Frontalebene werden Störungen der Gesamtbeinachse als Genua vara (O-Beine) und Genua valga (X-Beine) diagnostiziert.
Physiologische Genua vara bestehen im Alter bis zu 24 Monaten, anschließend entwickeln sich leichte physiologische Genua valga im Alter zwischen 24 und 48 Monaten. Mit etwa 5 Jahren ist eine gerade Beinachse zu erwarten.
Abweichungen sind nach traumatischen oder infektiösen Epiphysenfugenläsionen, bei Morbus Blount und metabolischen Erkrankungen (z.B. VitaminD-resistente Rachitis), kongenitalen Fehlbildungen und Skelettdysplasien (z.B. Osteochondrodysplasie) zu beobachten.
Bei der relativ kleinen Zahl funktionell behindernder oder prognostisch ungünstiger Achsenfehlstellungen ist eine frühe operative Korrektur anzustreben.

H

Haltungsstörung


Die Begriffe „Haltung“, „Haltungsschwäche“ und „Fehlhaltung“ sind trotz umfangreicher Literatur weder exakt definiert noch ihre möglichen Auswirkungen durch Langzeituntersuchungen belegt. Haltung ist ein dynamischer Vorgang, ein Gleichgewichtszustand zwischen der Schwerkraft einerseits und den aktiven muskulären und passiven ligamentären Strukturen andererseits. Sie ist Ausdruck einer während der Hominidenevolution gemeinsam mit dem aufrechten Stehen und Gehen entwickelten Höchstleistung des menschlicheen Bewegungssystems. Die Ausbildung des Pyramidenbahnsystems und die überproportionale Entwicklung des Neokortex während der Phylogenese stellen eine wesentliche Voraussetzung für die propriozeptive Steuerung der aufrechten Haltung des Rumpfes dar. Die durch den aufrechten Gang erfolgte Beckenkippung und Ventralisierung des Foramen magnum führten zur Ausprägung der typischen Form der menschlichen Wirbelsäule mit HWS- und LWS-Lordose und BWS-Kyphose.Für Menschen ohne Störungen ihres psychomotorischen Systems stellt die kontinuierliche Adaptierung der Haltung an exogene und endogene Einflüsse kein Problem dar, sie erfolgt unbewusst. Kinder und Erwachsene mit beispielsweise psychischen Problemen oder Störungen der Rumpf-Becken-Kontrolle bei pathologischer Statomotorik sind nicht immer in der Lage eine aktive aufrechte Haltung über einen ausreichenden Zeitraum einzunehmen. Bei einer schweren neuromotorischen Störung der Rumpf-Becken-Kontrolle ist eine aktive Anpassung oder Änderung der Haltung nicht erreichbar, da eine ausreichende selektive Muskelsteuerung fehlt.

Das Symptom der Haltungsstörung unterliegt daher einer Vielzahl von Einflüssen, ist quantitativ nicht messbar und muss qualitativ beurteilt werden. Eine exakte kinderorthopädische Untersuchung umfasst die Bestimmung von Knochen- und Gelenkdeformitäten, Achsenfehlstellungen,  des Grades muskulärer Schwäche, Verkürzung oder Kontraktur, sensorischer, propriozeptiver und kognitiver Funktionen und der Persönlichkeit des Kindes. Wichtig ist die Unterscheidung primärer, sekundärer und kompensatorischer Veränderungen und das Erkennen eines eventuell bestehenden Circulus vitiosus der Entstehung von wachstumsbedingten Wirbelsäulenverformungen.

Verringerung des kindlichen Bewegungsdranges und zunehmend sitzende Alltagstätigkeiten führen bei Schulkindern vor allem in modernen Industriestaaten zu einem häufigeren Auftreten von Haltungsstörungen und Übergewicht. Einseitiges Freizeitverhalten durch überwiegenden Elektronikkonsum, falsche Ernährung und problematische Gewohnheiten rund um Schultaschen und Schulmöbel tragen zu dieser Entwicklung bei. Prävention ist möglich und gefordert.An erster Stelle steht die sportmotorische Förderung aller Schulkinder durch richtigen und motivierenden Sportunterricht und zusätzlichen altersabhängigen Ausgleichssport in der Freizeit. Ein Training koordinativer Fähigkeiten und allgemeiner Ausdauer und Leistungsfähigkeit im frühen Volksschulalter wird zunehmend ergänzt durch das Erlernen von Techniken symmetrischer Sportarten. Krafttraining muss vor allem während des Pubertätswachstumsschubes stets von Aufwärmen und Dehnen der Muskulatur begleitet werden um Überlastungsreaktionen zu verhindern. Schüler mit Haltungsinsuffizienz, ausgeprägten muskulären Verkürzungen, leichten Koordinationsstörungen oder psychomotorischen Entwicklungsstörungen bedürfen einer besonderen Förderung ihrer Gesamtmotorik und Körperwahrnehmung.Ziel ist das Erreichen und langfristige Erhalten verbesserter koordinativer Fähigkeiten, muskulärer Balance, statomotorischer Ökonomie der Haltung und des Gangbildes und von Motivation zu körperlicher Bewegung im Alltag als Prophylaxe von frühen Schäden des Bewegungsapparates.

Hinken


Ein „Insuffizienz-Hinken“ ist Hinweis auf das Vorliegen einer Muskelschwäche der Glutealmuskulatur und Hüftabduktoren, z.B. im Rahmen neuromuskulärer Erkrankungen, oder einer veränderten Form des proximalen Femurs, z.B. ein Trochanterhochstand, bei Hüftgelenkerkrankungen.Eine weiterführende Diagnostik und Therapie ist in diesen Fällen indiziert.Ein „Schmerz-Hinken“ oder eine fehlende Gewichtsübernahme bedarf einer exakten Anamnese und Diagnostik. Entzündungen, aseptische Knochennekrosen und raumfordernde Prozesse sind auszuschließen, bevor Schmerzen aufgrund unklarer Verletzungen und nicht unumstrittenener flüchtiger und bilateraler Überlastungen des wachsenden Muskels (sogenannte „Wachstumsschmerzen“) konstatiert werden.

Hüftdysplasie


Diagnostisch muss eine primäre oder sekundäre Hüftdysplasie/Überdachungsstörung des Hüftgelenkes unterschieden werden. Beim Symptom der primären Hüftdysplasie handelt es sich um eine Reifungsstörung der Hüftpfanne. Sie ist die häufigste frühkindliche Skelettfehlentwicklung.Die Ätiologie ist multifaktoriell, Risikofaktoren für die sogenannte „angeborene Hüftdysplasie“, besser: Developmental Dysplasia ft he Hip (DDH), sind Beckenendlage, familiäre Häufung sowie weibliches Geschlecht 6:1. Die primäre Störung besteht in einer Ossifikationsstörung des Pfannenerkers mit der möglichen Folge einer knorpligen Deformierung, wobei eine Laxizität der Hüftgelenkskapsel und die postnatale Extension im Hüftgelenk begünstigend wirken. Dies kann zu einer steilen, abgeflachten und nach kranial ausgezogenen Hüftpfanne führen.Unbehandelt kann es zur Dezentrierung des Hüftkopfes mit Subluxation, Luxation und Entwicklung einer Sekundärpfanne kommen (präarthrotische Deformität).Diagnostische Hinweise geben Bewegungsarmut und Faltenasymmetrie, die Untersuchung zeigt eine Instabilität und Abspreizhemmung. Bei Luxation besteht eine Beinlängendifferenz und leere Pfanne. Die hüftsonographische Untersuchung ist in der 4. Bis 6. Woche obligat und bis zum Alter von ca. 1 Jahr diagnostisch sinnvoll. Die Beckenübersicht-Röntgenaufnahme ist ab dem 9. Monat bzw. bei fehlender sonographischer Beurteilbarkeit indiziert.Differentialdiagnostisch muss eine Hüftdysplasie bzw. –luxation bei schlaffen und spastischen Lähmungen, bei Coxitis oder teratologische Formen wie bei angeborenen Femurdefekten in Betracht gezogen werden.Therapeutisches Grundprinzip ist eine stadien- und altersabhängige funktionelle Behandlung zur frühestmöglichen optimalen Einstellung des Hüftkopfes in die Pfanne. Bei Luxationen ist eine frühe Reposition konservativ nach Längs- und Overhead-Extension oder mittels funktioneller Repositionsorthesen (z.B. Pavlik-Bandage) anzustreben.Die Retention erfolgt anschließend je nach Stadium der Erkrankung und Ausmaß der Instabilität mittels Orthesen (z.B. Spreizhose, Beuge-Spreizbandage) oder Gipsverband (z.B. Fettweisgips).Die meist vorliegende grobmotorische Asymmetrie bedarf einer physiotherapischen Behandlung auf neurophysiologischer Grundlage.Bei fehlender Möglichkeit einer Reposition, weiters bei Vorliegen einer Restdysplasie der Hüftpfanne oder Sekundärveränderungen des koxalen Femurendes besteht die Indikation zu einer operativen Reposition, eventuell kombiniert mit pfannenbildenden Beckenosteotomien und varisierenden Osteotomien des proximalen Femurs. Komplikationen sind Reluxation, Hüftkopfnekrose und verbleibende Bewegungseinschränkungen oder Früharthrosen.Die Prognose ist umso besser, je früher die Behandlung beginnt. Bei eingetretener Subluxation bzw. Luxation hängt die Prognose wesentlich davon ab, ob es gelingt, eine stabile zentrierte Hüfte mit guter tragfähiger Überdachung des Hüftkopfes zu erreichen.

Hüftkopf-Epiphysenlösung


Die Hüftkopfepiphysenlösung, Epiphyseolysis capitis femoris oder Slipped Capital Femoral Epiphysis (SCFE) ist eine im frühen Pubertätsalter bei Knaben dreimal häufiger auftretende Erkrankung, bei der sich die Hüftkopfepiphyse in der Wachstumsfuge vom Schenkelhals löst und nach dorsomedial abgleitet. Ätiologisch werden hormonelle und mechanische Faktoren vermutet, häufig findet sich eine Dystrophia adiposogenitalis. Die kontralaterale Femurkopfepiphyse ist in 50-80% mitbetroffen.
Der akute Abrutsch erfolgt meist auf der Grundlage eines langsam über Monate hinweg progredienten chronischen Abgleitens. Anamnestisch werden daher längerbestehende Hüft- und Knieschmerzen berichtet, die sich plötzlich deutlich verschlechtern. Der Patient hinkt, passive Hüftbeugung führt zu einer Aussenrotation (positives Drehmann-Zeichen), bei fortgeschrittener Erkrankung ist eine Innenrotation nicht mehr möglich.Das Hüftröntgen zeigt im ap-Strahlengang eine Verbreiterung der Epiphysenfuge, und scheinbare Verschmälerung der Epiphyse. Im axialen Strahlengang kann der Gleitwinkel bestimmt werden.Behandlungsziel ist die bestmögliche Wiederherstellung einer physiologischen Gelenkfunktion und Verhinderung einer schweren Präarthrose. Durch die Reposition der Epiphyse besteht allerdings die Gefahr einer Zerreißung von Gefäßen und damit Hüftkopfnekroseentwicklung.Die akute Femurkopfepiphysenlösung ist ein kinderorthopädischer NOTFALL und bedarf einer sofortigen Entlastung und operativen Reposition und Stabilisierung der Epiphyse mittels Kirschner-Drähten oder Gleitschrauben. Immer ist prophylaktisch die kontralaterale Epiphyse zu stabilisieren.Bei einem Gleitwinkel von mehr als 50-70° ist eine intertrochantäre oder subkapitale Korrekturosteotomie mit dem erhöhten Risiko einer Hüftkopfnekrose unvermeidlich um akzeptable biomechanische Verhältnisse im Hüftgelenk zu erreichen.Langfristig ist bei allen Gleitwinkeln von über 20-50° mit der Entwicklung einer Arthrose zu rechnen, wie zahlreiche Studien zeigen. Früherkennung und frühe operative Stabilisierung sind daher für die Prognose entscheidend.

Hüftluxation


Diagnostisch muss eine primäre/angeborene oder sekundäre/bei Grunderkrankungen auftretende Hüftluxation unterschieden werden.Die neurogene Hüftluxation entsteht aufgrund eines Muskelungleichgewichtes durch  Teillähmungen der Hüftmuskulatur.

I

J

K

Klumpfuß


Das Symptom des Klumpfußes (Pes equino-varus-adductus) stellt die zweithäufigste Skelettfehlbildung dar und kann in schweren Fällen eine Behinderung für Beruf, Sport und Freizeit darstellen. Der kongenitale (primär idiopathische) Klumpfuß ist gekennzeichnet durch eine komplexe Fehlstellung der Gelenke des Rückfußes unklarer Genese mit Kontrakturen der Gelenkkapseln und Sehnenverkürzungen unterschiedlicher Ausprägung. Sekundär treten neurogene Klumpfüße bei einer Reihe von neuromuskulären Erkrankungen wie Zerebralparese, MMC, Muskeldystrophie, Arthrogrypose- und Neuropathie-Formen auf.Fehlstellungen der Gelenke und Fehlformen der Knochen, verursacht durch eine persistierende Fehlstellung, führen unbehandelt immer zu pathologischen Belastungen. Dabei können Arthrosen des Sprunggelenkes und des Fußskeletts schon im jungen Erwachsenenalter auftreten und Korrekturoperationen mit Arthrodesen notwendig werden. Die frühe Kombination konservativer und operativer Korrekturmaßnahmen mit einer wachstumslenkenden Orthesen- und Schuhversorgung kann den Langzeitverlauf wesentlich begünstigen.Diagnostisch findet sich eine typische Spontanhaltung des Fußes in Spitzfuß-, Supinations- und Sichelfußstellung, der Bewegungsumfang ist reduziert, es besteht eine Wadenmuskelatrophie. In Hinblick auf die Ätiologie sollen die passive Redressierbarkeit, der Muskeltonus und Reflexe, Beinlänge, Trophik und Sensibilität beurteilt werden.Röntgenaufnahmen beider Füße d.p. und seitlich in maximaler Dorsalextension zeigen eine Fehlrotation und Parallelstellung der Talus- und Calcaneusachse.Wichtig ist die Abgrenzung zur häufigen Klumpfuß-Fehlhaltung, die in der Regel keiner operativen Behandlung bedarf.Die Frühbehandlung ist eine wichtige Voraussetzung zum Erreichen des Therapiezieles. Postpartal erfolgt die graduelle Redression der Fehlstellungen mittels Oberschenkel-Etappengipsen, nach erfolgter Reposition und zuletzt Korrektur der Wadenmuskelverkürzung mit oder ohne operativen Eingriff ist eine weitere Retention zunächst mit Gipsen, dann mit Lagerungsorthesen erforderlich. Vor dem selbständigen Aufstehen am Ende des ersten Lebensjahres sollten korrekte anatomische Achsenverhältnisse, ein muskuläres Gleichgewicht und ein weitgehend frei beweglicher Fuß mit normaler Stellung und Belastbarkeit erreicht werden. Internationaler Standard ist seit etwa 10 Jahren die Methode nach Ponsetti, bei der nach etwa 3 Wochen Gipskorrektur eine perkutane Achillessehnentenotomie in Narkose durchgeführt wird. Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg dieser Therapiemethode ist die 24stündige Orthesenversorgung im ersten Lebensjahr und das weitere regelmäßige Verwenden von Nachtschienen in den ersten Lebensjahren.Die weitere Behandlung erfolgt je nach klinisch-radiologischem Verlauf mit Lagerungsorthesen und Schuhzurichtungen. Bei Rezidiven oder Überkorrektur sind weitere operative Eingriffe notwendig.

 

Knickplattfuß


Beim Symptom Knick-Plattfuß oder Knick-Senkfuß handelt es sich um eine Fußfehlstellung mit verstärkter Valgusstellung des Fersenbeins (Knickfuß) und Abflachung oder Fehlen des medialen Fußgewölbes (Senk- oder Plattfuß), wobei die Grenze zum Pathologischen fließend ist. Bei ausgeprägten Befunden besteht eine komplexe Deformität des Fußes in 3 Ebenen: Rückfuß-Valgus, Mittelfuß-Supination, Vorfuß-Abduktion, Abgleiten des Talus am Calcaneus nach medial.Ursache sind physiologisch verstärkte Genua valga des Kleinkindes, erhöhte Bandlaxität, oder Muskelschwäche, neurogene und kongenitale Faktoren, Übergewicht, Genua valga oder vara. Der scheinbare Knickfuß: Ein subkutaner Fettpolster im medialen Fußgewölbe ist im ersten und zweiten Lebensjahr physiologisch.Pathologisch ist ein beim stehenden Kind von dorsal gemessener Fersenvalguswinkel: beim Kleinkind >20°, beim Schulkind >10°, beim Erwachsenen >5°. Ältere Schuhsohlen und Absätze sind medial stärker abgenutzt. Zwischen flexiblem und kontraktem Knick-Senkfuß muss unterschieden werden. Die Ferse korrigiert sich beim Fersenstand in eine Varusstellung und der mediale Fußrand wölbt sich. Verminderte Beweglichkeit der Fußgelenke und Bewegungsschmerz sind pathologisch. Schmerzen im Kindesalter sind selten und bedürfen einer genauen Abklärung. Beim rigiden und/oder schmerzhaften Knick-Senkfuß mit pathologischen Fersenvalguswinkeln:  Röntgen des Fußes stehend d.p. und seitlich. Eine Pedobarographie erlaubt die Druckmessung an der FußsohleDifferentialdiagnostisch unterschieden werden müssen ein physiologischer Knick-Senkfuß, ein neurogener Knick-Senkfuß (z.B. ICP, MMC), ein kongenitaler Plattfuß (Talus verticalis – senkrecht stehende Talus-Achse in der seitlichen Röntgenaufnahme) und eine Coalitio (die pathologische ossäre Verbindung zwischen den Fußwurzelknochen Talus-Navikulare-Calcaneus ist auf Röntgen-Schrägaufnahmen zu erkennen). Der altersphysiologische flexible Knick-Senkfuß bedarf keiner Behandlung, eine Verlaufskontrolle wird empfohlen. Beim pathologischen rigiden oder flexiblen Knick-Senkfuß besteht das langfristige Behandlungsziel in der Entwicklung einer schmerzfreien normalen Fußform und –funktion mit problemloser Schuhfähigkeit im Erwachsenenalter. Unterstützend wirken eine korrigierende Einlagenversorgung oder Zurichtungen des Konfektionsschuhs, die Vermeidung eines erhöhten Körpergewichts und regelmäßige maßvolle sportliche Bewegung, weiters Physiotherapie bei Muskelimbalancen und –verkürzungen, eventuell spielerische Fußgymnastik  mit Greifübungen der Zehen und Zehenstand. Bei schwerer Muskelimbalance können Nachtlagerungsorthesen in Überkorrekturstellung einen wirkungsvollen wachstumslenkenden Effekt erreichen.Abhängig vom Schweregrad und Verlauf können Weichteil-Operationen mit Sehnenverlagerungen oder knöcherne Operationen mit einer Verlängerung des lateralen oder Verkürzung des medialen Fußrandes indiziert sein.Als präventive minimal-invasive Operation hat sich in den vergangenen Jahren die Arthrorise mittels Calcaneus-Schraube, die nur bei Kindern im Alter von etwa 10-12 Jahren durchgeführt werden soll, durchgesetzt. Sie führt bei korrekter OP-Technik zu einer sofortigen Verbesserung der Belastungslinie des Fußes in den ersten postoperativen Tagen. Eine postoperative Ruhigstellung oder Entlastung ist nicht erforderlich.

Köhler I


Schmerzhinken oder fehlende Gewichtsübernahme im Kleinkindalter ist gelegentlich Folge eines Morbus Köhler I, einer aseptischen Osteonekrose des Os naviculare pedis, die im Alter zwischen 3 und 8 Jahren auftritt. Radiologisch findet sich eine im Seitenvergleich deutlch sichtbare Verdichtung der Knochenstruktur des Kahnbeines. Die Erkrankung tritt in 30% der Fälle doppelseitig auf. Bei starken Schmerzen ist die 4-wöchige Ruhigstellung in einem USCH-Gips angezeigt.Differentialdiagnostisch sollteeine Coalitio talonavicularis radiologischausgeschlossen werden.

L

M

Myelomeningocele


Bei der Myelomeningocele (MMC) handelt es sich um eine seltene angeborene Spaltbildung des Rückenmarkes mit einer inkompletten Querschnittlähmung aufgrund eines Defektes in der frühembryonalen Entwicklungsphase des Zentralnervensystems und der Wirbelsäule.Die Betreuung des Kindes erfolgt grundsätzlich im Team, urologische und neurochirurgische Interventionen sind regelmäßig erforderlich. Die individuelle neuroorthopädische Therapie ist abhängig vom Alter des Kindes und von der Höhe des Lähmungsniveaus.In den ersten 6 Monaten sollen die funktionellen Möglichkeiten des Kindes erkannt, eine Prognose und ein langfristiger Therapieplan erstellt werden. Präventiv sollen Orthesen bei muskulärer Imbalance und physiotherapeutische Dehnübungen eingesetzt werden.Fußfehlstellungen, z. B. Klumpfüße, sind früh operativ zu korrigieren, bereits bei Krabbelbeginn sind Orthesen zur Stabilisierung der Beinachse und ein Stehtisch für die frühe Vertikalisierung indiziert. Ziel ist der Gehbeginn mit etwa 18 Monaten. Bei hohem Lähmungsniveau können Ganzkörper-Orthesen mit automatischem reziprokem Schreitmechanismus (z. B. Swivel-Walker oder Reziprokator) als Gehhilfen und Sitzschalen oder Mieder zum Sitzen im früh adaptierten Rollstuhl eingesetzt werden. Das Hauptziel für die Kinder ist die frühe selbständige Mobilität, die mit diesen Behelfen erreicht werden kann. Muskuläre Verkürzungen sollen korrigiert werden, sobald sie die Alltagsaktivitäten beeinträchtigen. Die operative Einstellung eines luxierten (verrenkten) Hüftgelenks ist vor allem bei beidseitigem Auftreten keine Voraussetzung für die Gehfähigkeit, wie Ganganalysestudien seit mehreren Jahren gezeigt haben. Die Operationsplanung soll immer nach dem Prinzip der einfachst möglichen Fortbewegung für den Patienten erfolgen.Alle Kinder mit guter Funktion der oberen Extremitäten, stabiler Wirbelsäule, ausreichender Muskelkraft in Rumpf und Hüfte und genügend Motivation sind prinzipiell gehfähig.

N

Neuropathie - hereditäre motorisch-sensorische


Eine im Schulalter langsam progrediente Gangunsicherheit, Sensibilitätsstörung und Schwäche der Hand- und Fußmuskulatur kann Hinweis auf das Vorliegen einer der zahlreichen Formen hereditärer motorisch-sensorischer Neuropathien (HMSN) geben, die Ursache einer angeborenen axonalen Degeneration der peripheren Nerven sind. Frühe Symptome sind verzögerte motorische Meilensteine mit spätem Gehbeginn, persistierendem Zehengang und langsam fortschreitende Fußfehlstellungen im Sinne eines Klump- oder Ballenhohlfußes. Klinisch bestehen Paresen, Atrophien, Oberflächen-, Tiefensensibilitätsstörungen und eine Verringerung des Vibrationsempfindens.Bei Verdacht ist eine neurologische Abklärung des Kindes und seiner Familie mit neurophysiologischen, bioptischen und molekularbiologischen Methoden indiziert.Die symptomatische Therapie der Fußfehlstellungen besteht in einer wirkungsvollen wachstumslenkenden Schuh- und Orthesenversorgung, gegebenenfalls einer prophylaktischen Weichteil- oder rekonstruktiven ossären Korrekturoperationmit dem Ziel einer bestmöglichen schmerzfreien Schuh- und Gehfähigkeit.

O

Osteochondritis diesesecans


Die Osteochondrosis dissecans OD oder dissezierende Osteochondrose ist eine aeptische Knochennekrose des Wachstumsalters mit segmentalem Befall von subchondralem Knochen und darüberliegendem Knorpel, wobei es zur Bildung freier Gelenkkörper kommen kann. Hauptlokalisation ist der mediale Femurkondyl und Talus. Prädilektionsalter ist das 10.-15. Lebensjahr.Wahrscheinlich sind mechanische Faktoren für die Entstehung verantwortlich. Pathogenetisch bildet sich nach einer subchondralen Osteonekrose eine Sklerosierung und Demarkation des Areales und führt schließlich zur Dissekatbildung.Typische Symptome sind bewegungsabhängige Schmerzen mit Gelenkblockierungen, Giving-way-Symptomatik und rezidivierende Schwellung und Ergussbildung.In der Röntgenaufnahme werden Lokalisation und Ausdehnung des Herdes und Stadium der Erkrankung beurteilt. Im MR erfolgt die Beurteilung des subchondralen Knochens, des Gelenkknorpels und der fibrösen Fixation des Dissekates.Differentialdiagnostisch sind subchondrale Frakturen, Monarthritiden, Chondromatosen, Meniskusschäden, Infektionen und raumfordernde Prozesse auszuschließen.Behandlungsziel ist die Revitalisierung des Areals ohne Dissekatbildung und die optimale Gelenkfunktion. Behandlungsprinzip ist Bewegung des Gelenkes bei reduzierter Belastung.Je nach Alter, Schmerzen, Lokalisation und Ausdehnung des Areals ist eine retrograde Anbohrung zur Vaskularisierung oder subchondrale Spongiosaplastik bzw. Dissekatrefixierung mittels resorbierbaren Stiften und Fibrinklebung, eine Dissekatentfernung oder Knorpel-Knochen-Transplantation indiziert.Die Prognose ist umso besser,je jünger der Patient und je früher das Stadium bei Erkrankungsstop ist.

P

Patellaluxation


Bei der Patellaluxation handelt es sich um eine rezidivierende Dislokation der Kniescheibe  aus ihrem femoropatellarem Gleitlager nach lateral. Die Ursache liegt in einer mangelnden muskulären Balance der die Patella stabilisierenden Kräfte, z. B. nach Verletzungen des Streckapparates, bei Genua valga oder bei angeborenen und neuromotorischen Erkrankungen, oder in einer sekundären oder angeborenen Dysplasie des Gleitlagers.Behandlungsziel ist das Erreichen einer muskulären Balance auf konservativem Weg durch Auftrainieren der medialen Quadricepsmuskulatur oder auf operativem Weg durch Zügelung der Patella, wobei verschiedene Verfahren zur Auswahl stehen und je nach intraoperativem Befund kombiniert eingesetzt werden.

Perthes'sche Erkrankung


Beim Morbus Perthes handelt es sich um eine idiopathische aseptische Osteochondrose der Femurkopfepiphyse, die innerhalb von etwa 2 bis 4 Jahren selbstheilend abläuft, jedoch eine irreversible Schädigung im Sinne einer verschieden schwer ausgeprägten Präarthrose des Hüftgelenkes verursachen kann. Der Altersgipfel für das Auftreten der Erkrankung liegt zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr, Buben sind viermal häufiger betroffen als Mädchen.
In etwa 10% der Fälle tritt die Erkrankung auch an der kontralateralen Hüfte nach einem symptomfreien Intervall auf. Die Ätiologie der zugrunde liegenden Ischämie der Femurkopfepiphyse ist trotz zahlreicher Studien bis heute nicht geklärt.
Die Erkrankung manifestiert sich meist nur durch ein diskret hinkendes Gangbild, Schmerzen werden nur bei ausgeprägten rezidivierenden Gelenkergüssen angegeben und oftmals nur ins Kniegelenk projiziert. Die Sicherung der Diagnose erfolgt mittels Röntgenaufnahmen der Hüften a.p. und axial und mittels Magnetresonanz oder Szintigraphie.Jeder unklare Hüft- und Kniebefund in dieser Altersgruppe ist verdächtig und klinisch-radiologisch abklärungsbedürftig.

Als Behandlungsprinzip gilt

1) in den Frühstadien: Versuch einer medikamentösen Behandlung der Ischämie und Erhalten oder Herstellen der vollen Bewegungsfreiheit im Hüftgelenk. „Containment-Therapie“ durch bestmögliche, eventuell operative, Einstellung des subluxierenden Femurkopfes in der Gelenkspfanne in der Hoffnung, dass es zu einer Ausheilung mit sphärischer Kongruenz des Femurkopfes kommt.

2) im Spätstadium: chirurgisches Wiederherstellen einer weitgehend uneingeschränkten Beweglichkeit im Hüftgelenk mit einem kongruenten Gelenk in neutraler Position bei Gewichtsübernahme.

 

 

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Scheuermann'sche Erkrankung


Morbus Scheuermann (juvenile Kyphose oder juvenile Osteochondrose) ist mit 1% Prävalenz die häufigste Erkrankung des Jugendalters. Es handelt sich um eine teilfixierte Formabweichung der Wirbelsäule im Sinne einer Kyphose aufgrund einer Wachstumsstörung der Grund und Deckplatten der Brust- und/oder Lendenwirbelsäule. Definitionsgemäß soll die Deformität mindestens drei benachbarte Wirbelkörper betreffen, die jeweils einen Keilwirbelwinkel von mindestens 5 Grad aufweisen.
Die Ursache des M. Scheuermann ist nicht bekannt. Mechanische und genetische Faktoren mit einer Minderbelastbarkeit des Wirbelkörpers, Nekrosen und Anomalien der Wirbelkörperrandleisten und intraossäre Bandscheibenhernien werden vermutet. Eine Imbalance des Wachstums der ventralen und dorsalen Anteile des Wirbelkörpers führt zu einer Keilwirbelbildung.
Anamnestisch treten ab dem 11. Lebensjahr erstmals positionsabhängige Schmerzen im Bereich der BWS und/oder LWS auf, die zu einer Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit im Alltag führen. Klinisch besteht eine teilweise fixierte Rundrückenfehlhaltung mit protrahierten Schultern und Hyperextension der HWS.
Radiologisch sind Kyphose, Bandscheibenhernien in die spongiösen Wirbelkörperanteile (sog. Schmorlsche Knötchen) und Keilwirbel typische morphologische Zeichen der Erkrankung. Die Veränderungen treten thorakal, thorakolumbal oder lumbal auf.
Behandlungsziel ist die Prophylaxe einer Wirbelsäulenverformung, Schmerzreduktion und der Versuch einer Korrektur bei bereits beginnender Wirbelsäulendeformität. Regelmäßige klinische und radiologische Kontrolle sind bis zum Wachstumsabschluss zur Beurteilung der Progredienz erforderlich.
Im Mittelpunkt der Behandlung stehen Muskelkräftigung, Physiotherapie mit mobilisierendem Übungsprogramm, gezielte nicht belastende sportliche Aktivitäten und die Vermeidung belastender Tätigkeiten. Bei Schmerzen sind Analgetika und Muskelrelaxantien indiziert. Bei Krümmungen ab 45 Grad wird eine reklinierende Korsetttherapie empfohlen um eine Progredienz zu verhindern. Das Korsett soll im ersten Jahr tagsüber, anschließend nur noch nachts getragen werden, psychische Probleme sind vorprogrammiert und limitieren die orthopädietechnischen Möglichkeiten. Die operative Korrektur fixierter Kyphosen des reifen Skeletts ab einem Winkel von 60° sollte nur nach strenger Indikationsstellung in Zentren durchgeführt werden.
Die Prognose der Erkrankung ist meist günstig und abhängig von der Schwere der Wirbelsäulenverformung, einer begleitenden skoliotischen Komponente und dem Körpergewicht des Patienten.

Schiefhals


Das Symptom des muskulären Schiefhalses, die dritthäufigste frühkindliche Störung des Bewegungsapparates, ist gekennzeichnet durch eine fixierte Schiefhaltung des Kopfes aufgrund einer Verkürzung und Fibrosierung des M. sternocleidomastoideus mit Neigung des Kopfes zur betroffenen Seite und Rotation zur Gegenseite.
Die Ätiologie ist unbekannt, eine häufige Assoziation besteht mit kongenitaler Hüftdysplasie und Klumpfuß. Neurologische Grunderkrankungen und HWS-Fehlbildungen sowie Augenmuskelanomalien und Störungen des Vestibulums müssen ausgeschlossen werden. Differentialdiagnostisch ist weiters ein akuter Schiefhals und ein paroxysmal auftretendes Grisel-Syndrom abzugrenzen.
Diagnostisch ist bei der Palpation des Muskels in etwa der Hälfte der Fälle ein Knoten tastbar. Nach dem Säuglingsalter besteht in der Regel eine Gesichtsasymmetrie.
Eine Frühbehandlung durch tägliche Dehnungsübungen begleitet durch eine physiotherapeutische Behandlung ist meist zumindest durch 6 Monate notwendig um eine physiologische Bewegung zu erzielen. Bei Persistieren der Fehlstellung und stark fibrotischem Umbau des Muskels ist im zweiten Lebensjahr eine operative Lösung durch ein proximales und distales Release des M. sternocleidomastoideus erforderlich. Postoperativ wird das mehrmonatige therapeutische Programm vom Tragen einer asymmetrischen Halskrawatte begleitet, die Zeit richtet sich nach dem klinischen Verlauf. Im späteren Alter wird eine ähnliche therapeutische Strategie gewählt.

 

Schlatter'sche Erkrankung


Ein häufiger Grund für Schmerzen im Bereich des Kniegelenkes ist vor allem bei sportlich aktiven und übergewichtigen Kindern dieser Altersgruppe eine aseptische Osteochondrose der Tibiaapophyse, bezeichnet als Morbus Osgood-Schlatter.
Die Schmerzen treten nach Überlastungen wie Sport auf, der Bereich der Tuberositas tibiae erscheint prominent und ist deutlich druckempfindlich. Radiologisch ist neben einer Auftreibung der Tuberositas in späteren Stadien gelegentlich ein freies Ossikel erkennbar.
Die Behandlung ist symptomatisch, bei persistierenden Schmerzen ist eine vierwöchige Ruhigstellung in einer Oberschenkel-Gipshülse indiziert. Ein Ossikel kann operativ entfernt und damit raschere Schmerzfreiheit erzielt werden.

Schulmöbel


Schulmöbel und Möbel für die Erledigung der Hausaufgaben sollten den Anforderungen an die Gestaltung eines ergonomischen Arbeitsplatzes unterliegen. Die Besonderheit des Arbeitsplatzes des wachsenden Kindes liegt in der einfachen individuellen Einstellmöglichkeit an die richtigen Längenverhältnisse.

Notwendig ist:

-eine einfach handhabbare Höhenverstellbarkeit des Tisches und des Sessels,
-eine einfach zu neigende Arbeitsfläche (10-16°) mit ebener Ablagefläche,
- ein flaches Tischfach  für ausreichende Beinfreiheit,
-ein Sessel mit verstellbarer Beckenkammstütze um die richtige Sitztiefe einzustellen und
-eine abgerundete vordere Kante der Sitzfläche.

Damit ist ein aktiver Wechsel zwischen den willkürlich definierten physiologischen Sitzpositionen möglich:

-vordere oder Bereitschaftsposition
-entspannte Position
-hintere Position mit Rückkippung des Beckens zur Entlastung der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule wird während der langen Sitzphasen des Schulalltags ausreichend gestützt, Fehlhaltungen vorgebeugt und Überlastungen vermieden.

Schultasche


Das Tragen einer beladenen  Schultasche stellt für den Bewegungsapparat jedes Kindes eine Leistung dar, die vom Alter, Körpergewicht, Gewicht und Form der Schultasche und der Länge des Schulweges abhängt.
Untersuchungen zeigen, dass die größten Belastungen durch ein Gewichtsmissverhältnis für Kinder in der 5.-6. Schulstufe entstehen.Überlastungen können durch die richtige, körpernahe Beladung in Fächern, Begrenzung mit 10-15% des Körpergewichtes (z.B. durch abschließbare Bücherkästen und die richtige Handhabung von Arbeitsblättern) und ein ergonomisches Traggurtensystem vermieden werden. Da besonders in den ersten Schulstufen genormte Schultaschen aufgrund des aktuellen Designs auch tatsächlich getragen werden, sollte beim Kauf auf einige kritische Details geachtet werden:

-geringes Eigengewicht der Schultasche
-stabile Konstruktion mit Fächern (wirbelsäulennahe Beladung mit schweren Büchern)
-breiter und einfach feststellbarer Tragegurt (wirbelsäulennahes Tragen)
-aus Sicherheitsgründen große Reflektoren außen und das Namenschild des Kindes innen.

Das ökonomische Packen der Schultasche sollte als Lernprozess betrachtet werden, der durch die Eltern und Lehrer gelenkt werden muss.

Septische Arthritis


Die septische Arthritis stellt in jedem Lebensalter einen orthopädischen NOTFALL dar. Es handelt sich um eine bakteriell bedingte Gelenkentzündung durch hämatogene oder lokale Ausbreitung. Humerale und zelluläre Entzündungsreaktionen und proteolytische Enzyme führen zu einer Entzündung, Synovitis und Ergussbildung im Gelenk sowie zur Zerstörung von Gelenkknorpel und Epiphyse. Die Schwere des Verlaufes hängt von der Virulenz des Erregers und dem Immunstatus des Kindes ab. Häufigste Erreger sind Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken, Salmonellen, nicht immer ist der Erreger jedoch nachweisbar.
Lokal bestehen Entzündungszeichen wie mangelnde Gewichtsübernahme, schmerzhafte Bewegungseinschränkung, Rötung, Schwellung, Erguss, Überwärmung, weiters ein herabgesetzter Allgemeinzustand mit Fieber, positive Laborbefunde mit BSG, CRP, Leukozyten, evt. Blutkultur und Punktion mit Erregernachweis. Röntgen, Szintigraphie und MR geben Hinweis auf die Lokalisation und Ausdehnung der Destruktion.Differentialdiagnostisch ist eine Coxitis fugax, entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankungen und akute Blutung bei Hämophilie zu berücksichtigen.

Behandlungsziel ist die vollständige Sanierung des Infektes unter weitgehender Erhaltung der Gelenkknorpel-Knochen-Wachstumsfugen-Struktur und -funktion.
Prinzipiell ist jeder Gelenkinfekt eine Indikation zur sofortigen operativen Entlastung, Spülung und Drainage sowie Ruhigstellung. Zeitpunkt und Wahl des operativen Verfahrens sind abhängig vom Krankheitsverlauf, der Lokalisation und Ausdehnung und vom Alter des Kindes. Je akuter die Infektion, umso dringlicher ist die lokale Behandlung, um die Gelenk- und Knochenschädigung und damit schwere Funktionsstörungen zu minimieren.
Die Dauer der systemischen Antibiotikatherapie ist abhängig vom Rückgang der lokalen und serologischen Entzündungsparameter.

Interventionen bei septischen Gelenkentzündungen sind ein typisches Beispiel für die Behandlungsstrategie der Kinderorthopädie:

Je früher die Behandlung beginnt umso wirkungsvoller, und damit weniger invasiv, wird sie sein. Immer sind jedoch Nutzen und Risken einer Langzeittherapie gegen die einer punktuellen chirurgischen Behandlung abzuwägen. Moderne intensivmedizinische und schmerztherapeutische Verfahren haben in den vergangenen Jahren neue Voraussetzungen für Operationsindikationen in der Kinderorthopädie geschaffen.

 

Sichelfuß


Am häufigsten findet sich ein kongenitaler Sichelfuß (Metatarsus adductus), der je nach Schweregrad (die Klassifizierung orientiert sich an der passiven Beweglichkeit der Mittelfußgelenke) lediglich einer Massage oder einer mehrwöchigen Gipsredressierung mit anschließender Lagerungsorthesen- und Antivarus-Sandalen-Versorgung bedarf. Eine operative Lösung im Kleinkindalter ist nur in seltenen Fällen erforderlich.

Skoliose


Diagnostisch müssen idiopathische und sekundäre/bei bestehender Grunderkrankung wie z.B. Lähmung auftretende Skoliosen unterschieden werden.
Die idiopathische Skoliose ist eine teilfixierte seitliche Verformung eines oder mehrerer Wirbelsäulenabschnitte mit Rotations-, Torsionsfehlstellung und struktureller Veränderung der Wirbelkörper. Die Ätiologie ist bis heute nicht geklärt, genetische Faktoren werden angenommen. Seltene Formen des Kleinkindes- und Volksschulalters werden den häufigen Skoliosen der Pubertät und Adoleszenz gegenübergestellt.
Während des Wachstums ist mit einer Zunahme der Skoliose zu rechnen. Die Prognose ist umso schlechter, je jünger das Kind ist, je höher gelegen und je stärker die Krümmung ist. Neben Rückenschmerzen und ästhetischen Problemen führt eine schwere progrediente Skoliose zur Lungenfunktionsstörung mit Einschränkung der Vitalkapazität und herabgesetzter Lebenserwartung.
Bei Skoliosen über 50° ist auch nach Wachstumsabschluss eine Zunahme von ca. 1° jährlich zu erwarten.
Klinisch findet sich eine Asymmetrie der Taillendreiecke und des Verlaufs der Dornfortsatzreihe. Eine Abweichung des Lots von der Vertebra prominens-Rima ani-Linie, die Becken- und Schulterblattstellung und die Mobilität der Verkrümmung zeigen den Schweregrad der Skoliose. Das Ausmaß eines Lendenwulsts und Rippenbuckels beim Vorbeugetest geben Hinweis auf den Grad der Rotationsfehlstellung. Auf Wirbelsäulenganzaufnahme a.p. im Stehen kann der Schweregrad mittels Winkelmessung nach Cobb beurteilt werden.
Differentialdiagnostisch muss eine idiopathische Skoliose von folgenden sekundär auftretenden Skoliosen abgegrenzt werden:

-kongenitale Fehlbildungsskoliosen
-mesenchymale Skoliosen bei Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom
-neuromuskuläre Skoliosen bei Cerebralparese, Muskeldystrophie, kongenitaler Myopathie, Arthrogrypose,  Poliomyelitis, spinicerebellären Erkrankungen, Neuropathien
-metabolische Skoliose bei Störungen des Ca-Ph-Stoffwechsels

Behandlungsziel ist die Wachstumslenkung der Wirbelsäule mit Prophylaxe einer Zunahme und Korrektur der bestehenden Verkrümmung und damit die Vermeidung von Schmerzen und kardiopulmonalen Komplikationen.
Die Behandlungsindikation im Wachstumsalterist abhängig von der erwarteten Progredienz und dem Skoliosewinkel:

-unter 20° sportmotorische Förderung und Beobachtung, evt. Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage, bei Beckenschiefstand Beinlängenausgleich
-20°-45° Physiotherapie mit aktivem Bewegungsprogramm und aufrichtender und derotierender Korsettversorgung bis nach Wachstumsabschluß
-über 45° und bei erwarteter Progredienz, z.B. bei neuromuskulären Skoliosen operative Stabilisierung

Regelmäßige klinische und radiologische Kontrolluntersuchungen werden im halbjährlichen Abstand geplant.

Spondylodiszitis


Bei der Spondylodiszitis handelt es sich um eine pyogene Infektion des Diskus intervertebralis und der angrenzenden Wirbelkörper, die meist vor dem 10. Lebensjahr auftritt. Der Infekt ist unspezifisch oder Tbc-bedingt, der Immunstatus des Kindes ist meist herabgesetzt.Klinisch bestehen lokale Schmerzen mit hochgradigem Druckschmerz über dem Dornfortsatz des betroffenen Wirbelkörpers. Positive Entzündungsparameter mit deutlich erhöhter BSG, Röntgen, Szintigraphie, MR, evt. eine Punktion sichern die Diagnose. Die Behandlung erfolgt mittels Langzeit-Antibiose, stabilisierender Korsettversorgung und evt. operativer Sanierung und Stabilisierung. Differentialdiagnostisch muss ein raumfordernder Prozess ausgeschlossen werden.

T

Tibiatorsions-Syndrom


Auf der Ebene des Unterschenkels führt eine exzessive Tibia-Innentorsion zu einem „toe-in“, einer Einwärtsdrehstellung des Fußes. Diese Torsionsfehlstellung ist meist im Laufe des Wachstums rückläufig, sodass nur bei wenigen Kindern eine supramalleoläre Derotierung der Tibia indiziert ist.

U

V

W

X

Y

Z

Zehenballengang


Der Zehenballengang ist eine Sonderform einer Gangstörung, die unilateral zum Hinken, bilateral jedoch effizienten Art der Fortbewegung führt. Psychomotorische Haltungsstörungen mit einer Ventralverlagerung des Körperschwerpunktes werden beispielsweise mittels ausschließlicher Vorfußbelastung kompensiert. Der intermittierend auftretende habituelle Zehenballengang bedarf selten einer Behandlung, während sekundäre strukturelle Verkürzungen des Triceps surae bei neuromotorischen Erkrankungen oder angeborenen Fehlbildungen nach einer Analyse der Kräfteverhältnisse an allen Gelenken beider unterer Extremitäten zur Ökonomisierung des Gangablaufes korrigiert werden müssen. Die Differentialdiagnostik des Zehenballenganges ist eine häufige Beschäftigung in der Praxis.